Um rund zehn Prozent stieg seit 2008 die Zahl der Selbstständigen. Ausschlaggebend sind dafür aber selten besonders innovative Ideen, sondern viel öfter eine Portion Verzweiflung.

Seit sechs Jahren ist die Zahl der Menschen, die sich selbstständig gemacht haben, erstmals wieder angestiegen. 872.000 Gründer waren es im vergangenen Jahr, wie die KfW-Förderbank in ihrem Gründermonitor zu berichten.

Denn seit 2003 war die Zahl der Wagemutigen stets gesunken – von damals 1,5 Millionen auf 800.000 im Jahr 2008. Wodurch kam die Wende?

Es heißt ja, dass viele Menschen in Krisenzeiten besonders kreativ werden. Das Mag auch so sein, bei vielen Gründern ist es aber auch die Alternativlosigkeit, die sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagen lässt. Nur zwei Prozent der Selbständigen starteten mit einer Weltneuheit, 88 Prozent der Angebote sind schon auf dem Markt. Und jeder fünfte Kleinstunternehmer war zuvor arbeitslos. Und unter denen, die das eigenen Unternehmen zum Vollerwerb nutzen, war es sogar jeder zweite. Die Studie der KfW kam so auch zu dem Schluss, dass viele Gründungen aus Verzweiflung zustande kamen, weil nur noch wenig Hoffnung auf eine abhängige Beschäftigung bestand.

Gründer schaffen Jobs

Aber an der These mit der Krise und der Kreativität ist aber doch etwas dran: So habe die Krise viele sogenannte Chancengründer hervorgebracht, so der Gründungmonitor. Jeder fünfte Selbständige gab an, nur Dank der wirtschaftlich schwierigen Zeiten auf eine Geschäftsidee gekommen zu sein.”Die Krise hat über unterschiedliche Kanäle die Gründungsaktivitäten belebt, wobei sie auch Impulsgeber für die Umsetzung vielversprechender Gründungsprojekte war”, weiß KfW-Vorstandsmitglied Axel Nawrath.

Zwar belegt die Studie auch, dass die Erfolgschancen der Gründer nicht gestiegen sind: Jede vierte Gründung ist nach spätestens drei Jahren wieder vom Markt. Aber die Selbständigen sorgen auch für Jobs: Die Zahl der Unternehmen, die nicht nur aus ihrem Gründer besteht, hat zugenommen. 1,69 Vollzeitstellen schuf jeder Starter, rechnerisch beschäftigen sie so also immerhin 0,7 Mitarbeiter. Zusammengenommen ergab das in den vergangenen Jahren Hunderttausende Stellen, die sich auf eine halbe Million Vollzeitstellen summierten.